Evangelische Kirche Stuttgart-Feuerbach
 
 
   
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GEBÄUDE-KONZEPT: Entscheidungsfindung nicht leicht gemacht




23.04.2010 Der Vorsitzende des Kirchengemeinderates informiert AKTUELL


Der Beschluss
Ende Februar hat der Kirchengemeinderat beschlossen, sich künftig auf die beiden Standorte Stadtkirche und Gustav-Werner-Kirche zu konzentrieren und die Standorte Föhrichkirche und Lutherkirche bis zum Jahr 2017 aufzugeben. Obwohl alle wussten, dass unsere Gebäudekonzeption ein schmerzlicher Einschnitt für unsere Gemeinde würde - insbesondere natürlich für diejenigen Gemeindeglieder, die sich von Ihren lieb gewonnenen Kirchengebäuden verabschieden müssen - kam die Nachricht dann doch wie ein Schock über viele.
Wir haben dies sehr deutlich vernommen und waren uns dieser zu erwartenden Reaktion auch bewusst.
Natürlich versucht man dann, die für die Entscheidung ausschlaggebenden Gründe zu erkunden. Und ebenso selbstverständlich sucht man dann auch den Vergleich zu den anderen Standorten.
 
Die Entscheidungsfindung
Das Kirchengemeinderats-Wochenende wurde als nicht öffentliche Sitzung abgehalten. Daher ist es - und das wurde von vielen nicht verstanden - nicht möglich, öffentlich über Details, wie z. B. die vorgebrachten Gründe zur getroffenen Entscheidung, zu reden. Ich will hier nun erläutern, - und entspreche damit dem vielfach vorgetragenen Wunsch - wie wir die Meinungsfindung zum Gebäudekonzept bei unserem Kirchengemeinderats-Wochenende gestalteten.
 
Die Ausgangssituation: Unendlich viele Zahlen hatten wir erhoben, um eine plausible Begründung zu finden. Sie alle konnten das Gesuchte aber nicht eindeutig aussagen. Eine große Anzahl an Entscheidungskriterien, die nicht an Kosten und Finanzen gekoppelt sind, haben wir ausgewertet und zueinander in Relation setzen wollen. Jeder sah das Gewicht und die Bedeutung des einen oder anderen Kriteriums unterschiedlich.
Wir erhoben die jeweiligen Qualitäten der einzelnen Standorte. Auch mit dieser Methode konnten keine eindeutig vergleichbaren oder abwägbaren Bewertungskriterien herauskristallisiert werden.
 
Alle Diskussionen - auch jetzt, nach unserem Beschluss - zeigen in dieselbe Richtung: Niemand wird - ob er nun Gründe für einen Standort benennt oder ob er Gründe gegen einen anderen Standort aufführt - abschließend überzeugende Argumente für seine Meinung einem anders denkenden vermitteln können. Es ist, als wolle man jemandem erklären, welches die schönste Farbe sei und müsse es dann auch noch schlüssig begründen.
 
Das Verfahren
Für unsere Entscheidungsfindung bedienten wir uns dann einem sehr aufwändigen Verfahren mit Hilfe einer Computerauswertung. Ich will dieses nun hier erläutern - auf die Gefahr hin, dass es einige langweilen wird und andere herausfordert zu überlegen, woran hier ein Haken zu finden ist.
 
Über 40 Bewertungskriterien für unsere Standorte gliederten wir zunächst in verschiedene Gruppen und erstellten daraus eine Tabelle. Jeder bestimmte dann für sich selbst, welche Gewichtung die einzelnen Gruppen bekommen sollen und danach, welches Gewicht jedes einzelne Kriterium innerhalb der Gruppe haben soll. Anschließend bewertete jeder für sich in dieser Tabelle jedes Kriterium für jeden Standort.
 
Dieses aufwendige Verfahren ergab so für jedes Mitglied des Gremiums eine individuelle Auswertung, die in der jeweiligen individuellen Bewertung der wichtigen Kriterien begründet ist. Diese Auswertung zeigte jedem einzeln (und dieses individuelle Ergebnis konnten die anderen nicht einsehen), welcher Standort für ihn die höchste "Punktezahl“ errang und wie dicht dran oder weit abgeschlagen die nächsten Standorte für ihn folgten.
 
Die Unterschiedlichkeit der einzelnen Bewertungs-Schwerpunktsetzung machte deutlich, dass es unmöglich gewesen wäre, sowohl über die anzulegenden Maßstäbe und Kriterien als auch über das jeweilige Gewicht der dafür sprechenden Argumente Einigkeit zu finden.
 
Dennoch brachte uns die individuell erstellte Auswertung in die Lage, eine Abstimmung über die Zukunft der Standorte zu unternehmen. Davor wurde jedoch noch ein Zwischenschritt gelegt, der dieses "Ergebnis“ mit dem zuvor gefassten Richtungsbeschluss - nämlich, dass wir bei der Stadtkirche weiterhin ein Gemeindehaus haben wollen - zusammenführte. Wir suchten ja nicht den Standort der für sich alleine der beste zu sein scheint, sondern den Standort, der unserer Meinung nach die beste Kombination mit der Stadtkirche und ihrem Gemeindehaus darstellt.
 
Vielleicht verdeutlicht ihnen dieser Bericht, warum es für uns unmöglich ist zu benennen, welches Kriterium nun den Ausschlag zu unserer Entscheidung gab. Jeder wird es anders beantworten und keiner kennt alle Beweggründe der anderen.
 
Für die gemeinsam zu tragende Verantwortung der Entscheidung und für ihre Umsetzung ist die angestrebte und erreichte Zweidrittel-Mehrheit jedenfalls ein starker Rückhalt.
 
Erste Schritte der Umsetzung
Seit dem Beschluss Ende Februar hat sich viel getan. Wir befinden uns bereits mitten in der Umsetzung und leiten dazu die ersten Schritte ein. Wir informierten die Gemeinde durch einen Brief an alle Haushalte unserer Gemeindeglieder. Wir hielten zwei Foren ab. Und wir informierten über die Presse, bei zahllosen persönlichen Gesprächen und bei Besuchen in den Gruppen und Kreisen. In einem "Wort an die Gemeinde“ zu Karfreitag und Ostern konnten wir erste Schritten der Umsetzung skizzieren. Ich kann diese heute durch aktuelle, nach den Beratungen in der Kirchengemeinderatssitzung vom 21. April gefasste Entscheidungen, ergänzen:
 
Für die Zukunft der Föhrichkirche stehen wir in Gesprächen mit der russisch-orthodoxen Kirche. Mit dieser Kirche verbindet uns die Vollmitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK). Diese Gemeinde wird ab Mai dieses Jahres für ihre Sonntagnachmittagsgottesdienste in der Föhrichkirche zu Gast sein und später - frühestens ab 2012 - die Kirche eigenständig nutzen. So kann die Föhrichkirche als Kirche erhalten bleiben, was uns ein hohes Ziel war. Immer wieder sollen auch nach 2012 ökumenische Begegnung und auch evangelische Gottesdienste in der Kirche möglich sein.
 
Weiter ist zu berichten: Ein Kindergartenträger (Kinderland Pusteblume) will Räume im Föhrich-Gemeindehaus mieten und dafür umbauen. Da der Kindergartenträger nicht alle Räume benötigt, wahren wir uns die Möglichkeit bis auf weiteres noch Raum im Föhrich-Gemeindehaus vorzuhalten. Es besteht also die Chance, den Gemeindesaal für die Gemeinde zu erhalten. Durch den Kindergartenbetrieb von "Pusteblume“ bleibt das Gemeindehaus zugleich für Kinder und Eltern im Föhrich ein Anlaufpunkt.
 
Weiter kann ich Ihnen heute mitteilen: In der Sauerlandstraße 1 ist grünes Licht für das Evangelische Kinderhaus Hattenbühl gegeben worden. Hier wollen wir unsere Kindergartenarbeit konzeptionell und qualitativ auf höchstem Niveau vorantreiben. Von Seiten des CVJM wurde signalisiert, dass die Verzahnung von Konfirmandenarbeit und Jugendarbeit weiter verbessert werden soll und für die Konfirmandenarbeit grundsätzlich auch das Blumhardthaus zur Verfügung steht. Viele Ältere aus unserer Gemeinde werden sich erinnern, dass bereits vor Jahrzehnten der "Kapfenburgsaal“ für den Unterricht genutzt wurde.
 
Da wir uns in diesen Wochen auf die bestmögliche Lösung für den Bereich Föhrich konzentrieren, kann nichts Neues zu den Standorten an der Stadtkirche und der Gustav-Werner-Kirche gesagt werden. Zum Bereich Lutherkirche ist im "Wort an die Gemeinde“ zu lesen: "Seit Anfang dieses Jahres gibt es im Bereich der Lutherkirche die Burgenlandinitiative. Von ihr wird gewünscht, dass die künftigen Nutzer bereit sind, sich ins Burgenlandzentrum einzubringen und die Räume als Räume für öffentliche Treffs und Veranstaltungen vorzuhalten.“ In die Burgenlandinitiative wollen wir uns einbringen und der Kirchengemeinderat wird auf einem gemeinsamen Forum auch gerne das Gespräch mit allen engagierten Gemeindegliedern und Initiativen suchen, damit wir auch für die Räume und Menschen an der Lutherkirche eine möglichst gute Lösung finden.
 
Mit diesen neuesten Nachrichten grüße ich Sie herzlich im Namen des Kirchengemeinderates
 
Stefan Ripp
(Vorsitzender des Kirchengemeinderates)




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